Freitag, November 24, 2006

Meine Meinung.

Heute wird es bei mir mal ein wenig ernster. Als alter Gamer möchte ich mich auch einmal zu den Verbotsvorwürfen von "Killerspielen" äußern und Stellung beziehen.

Den unten angehängte Artikel habe ich bereits auf meiner Clanpage gb-esp.de veröffentlicht und möchte ihn hier in leicht abgeänderter Form hauptsächlich den nichtgamer Publikum zugänglich machen.


Opferhuhn Killerspiele

Eins vorweg. Mit dieser Kolumne möchte ich mich deutlich von anderen Kontra-Killerspiele-Verbots-Frusttexten differenzieren und eine objektive Bewertung der Sachlage ermöglichen.
Egoshooter sind ein häufig diskutiertes Thema der letzten Jahre immerwieder tauchen Forderungen nach einem Verbot dieser Spiele auf. Ich beschäftige mich mit der Frage: "Ist ein Verbot Sinnvoll?".

Schenkt man den großen Fernseh- und Rundfunkanstalten glauben, so dürfte es darüber eigentlich nichteinmal eine Diskussion geben, so eindeutig wird uns hier die Sachlage vorgelegt und präsentiert. Viele Experten und solche die es gerne währen geben ihre Kommentare ab. Dabei sucht sich jede Partei denjenigen Redner aus, dessen Fachmeinung am meisten mit der Eigenen und der der Zuhörer/Zuschauer übereinstimmt. Hunderte von Studien und Fachmeinungen gibt es zu diesem Thema und alle sind so verschieden wie Mann und Frau. Um sich eine objektive Meinung zu verschaffen sollte man sich 2 Grundregeln zur Hand nehmen:
1. Traue nie einer Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.
2. Achte darauf welche Absichten hinter einer Quelle stehen.

Betrachtet man die Medien genauer und schaltet seinen Verstand ein fällt schnell auf welche Meinung zu diesem Thema vorherrschend ist und ob man eine objektive oder subjektive Meinung erwarten kann.
Als Beispiel:
Der neue Amoklauf versetzte mal wieder alle in Angst und Schrecken und noch vor der ersten Pressekonferenz tauchten schon wieder die ersten Meldungen auf : "Der Amokläufer spielte Killerspiele."
Die Begriffe Amoklauf und Killerspiele scheinen im Kopf der Menschen schon vernetzt zu sein.
Das in der Gamerszene geächtete Magazin "Frontal 21" gilt in der Öffentlichkeit als eher kompetent. Ich möchte mir hier nicht anmaßen die Sendung allgemein als Inkompetent zu bezeichnen, im Bereich Killerspiele halte ich mich allerdings durchaus für kompetent genug einiges zu kommentieren. Ich habe beide Sendungen gesehen und für mich war deutlich mit welcher Oberflächlichkeit hier gearbeitet wurde. Das Bild das man von Gamern bekam divergierte deutlich mit meinem Wissen und da ich selber Gamer bin möchte ich mir hier die Freiheit nehmen und diese Aussagen zum Großteil als falsch abstempeln.
Es wurden Studien präsentiert(meine Meinung kennt ihr ja dazu), Politiker gezeigt die ein Verbot fordern(die gibt es ebenfalls wie Sand am Meer und richtig stichhaltiger Argumente kann keiner liefern) und man präsentierte dem Publikum den gefährlichen gewaltverherrlichenden Gamer sowie die dazugehörigen Spiele. Die letzten beiden Punkte machten mich wirklich stutzig. Man konnte 14 jährigen Kinder zuhören wie Sie von den besonders brutalen Szenen in besonders brutalen Spielen schwärmten. Entweder hat man diese unter Drogen gesetzt, in einem Moment geistiger Umnachtung erwischt oder aber sie wurden nach Strich und Faden verarscht. Mir kann niemand erzählen diese Kinder geben den Gegnern ihres Spielzeuges die passenden Argumente um diese zu verbieten. Das macht keinen Sinn.
Der Zweite Punkt mit dem ich überhaupt nicht übereinstimme sind die Spiele. Es wurden Games gezeigt von denen ich bis dato noch nichts gehört hatte. Mittlerweile habe ich mich etwas darüber informiert und bin zu dem Entschluss gekommen, das es sich hier um eine Randgruppe von Spielen handelt, die auch ich nicht für gutheissen kann und ich bin mir sicher die meisten im e-Sports aktiven Spieler stimmen mit mir in diesem Punkt überein. Aber wieder zurück zu "Frontal 21". Es ist ein hervorragendes Beispiel, wie man die Tatsachen so hindrehen kann das sich durch das Weglassen von Informationen ihre Aussage verändert. Man bekam den Eindruck jeder Gamer spielt gewaltverherrlichende und Menschenverachtende Spiele. Das diese Spiele einen Ungefähren Marktanteil von grob 1% haben hat man wohl vergessen zu erwähnen.
Ich möchte nicht allein das ZDF mit "Frontal 21" an den Pranger stellen, auch andere Sender hätten sich einen Platz hier verdient, allerdings war das das beste Beispiel dafür wie wenig man sich mit der Materie allgemein beschäftigt hat,

Ich könnte jetzt an dieser Stelle damit anfange, die negative und positive Wirkung der Spiele voneinander abzuwägen, allerdings würde ich auch hier wieder auf keinen grünen Zweig kommen, da es auch hier wieder die unterschiedlichsten Ansichten und Studien gibt. Nach einer Studie fördern Computerspiele die Konzentration, nach der anderen schwindet die Konzentrationsfähigkeit. Als Gamer würde ich das Fazit ziehen, das es durchaus negative Auswirkungen gibt allerdings habe ich auch viel dadurch gelernt. Warum das gerade in der Gamerszene so diskutiert wird? Weil man Sie nicht mag, und bei allem was man nicht mag sucht man Gegenargumenten. Beim Fasching wird ja auch nicht darüber geredet das es schädlich wenn sich jeder die Kante gibt und auch die ein oder andere Schlägerei nicht ausbleibt. Und warum, weil man den Fasching mag, deswegen.
Kindliche Argumentation, aber Tatsache.

Dem Verbot von Killerspielen allgemein kann ich nicht zustimmen, allerdings währe ich nicht abgeneigt die USK Kontrollen zu verschärfen und einige Spiele indizieren. Nichtsdestotrotz währe es wohl Sinnlos.
In Zeiten von eMule und Rapidshare kommt jeder an indizierte Spiele und selbst an sich eher harmlose spiele können mit Hilfe von Bloodpatches brutaler gemacht werden. Das zu unterbinden, halte ich zumindest in den nächsten 20 Jahren für unmöglich. Auch ein Anheben der Altersgrenze erscheint mir als Stumpfsinn. Man fragt den großen Bruder, die Mama oder versucht es einfach selbst und spätestens dann hat man das gewollte Spiel.

Das Verbot kann hier nicht der Staat durchsetzen, das müssen die Eltern tun.
Für viele Erwachsene sind Internet und Computerspiele immer noch ein Mysterium, aber ich bin überzeugt irgendwann(spätestens wenn meine Generation Erwachsen ist) wird man diese Materie verstehen, wie damals als Christoph Columbus zeigte, das man eben nicht einfach Am Rande der Erde abstürzt. An die Eltern den Apell, befasst euch mit der Materie, lasst euch von euren Kindern zeigen was sie im Internet toll finden oder welche Spiele sie gerne Spielen und dann Informiert euch darüber. Wenn es sein muss kauft euch eine eurer Meinung nach kompetente Computerspielezeitschrift und lest den Spieletest. Die Meisten sind übermäßiger Gewalt ebenfalls abgeneigt. Oder wenn ihr euch nicht sicher seid, dann spielt das Spiel doch selbst und entscheidet dann. Nichts ist objektiver als der eigene Eindruck. Und wenn das Kind unbedingt einen War spielen will, dann solltet ihr euch von dem Sprössling einmal erklären lassen warum das für ihn so wichtig ist oder was ihm so daran gefällt. Das ist meiner Meinung nach Pflicht für Eltern die ihrer Erzieherrolle gerecht werden wollen.

Jetzt komme ich zu den heikleren Themen dieses Artikels, den Amokläufen. Währe jeder der Egoshooter spielt ein Amokläufer währen wir schon längst alle Tot. Davon gibt es allein in Deutschland weit über 5 Millionen. Und der Prozentsatz an Amokläufern ist wesentlich kleiner als der von Geisterfahrern bei Verkehrsteilnehmern. Um Amokläufer zu werden braucht man erstmal ein Sozial instabiles Umfeld. Wenn man dann noch keine oder die falschen Freunde hat fehlt außer der Tatsache das man immer der Arsch ist und von jedem diskriminiert wird nur noch der leichte Zugang zu Waffen. Man bracht keine Killerspiele um Amok zu laufen. Ich bin kein Psychologe, aber meiner Meinung nach sind Spiele nicht einmal der Tropfen der das Fass zum überlaufen bringt. Sie beschleunigen höchstens den Prozess, allerdings machen sie niemanden zum Amokläufer.

Nach meiner Meinung sind nicht die Spiele schuld an den Amokläufern sondern der Werteverfall der Gesellschaft, sowie der Gesellschaftsverfall im allgemeinen.
Alle Amokläufer hatten eines gemein. Ihr soziales Umfeld war zerrüttet, sie gingen nicht, nicht mehr oder nur noch selten zur Schule und sie hatten keinerlei Werteempfinden. Diese Dinge entstehen nicht durch Computerspiele. Die Spiele dienen lediglich als Opferhuhn, das an den Pranger gestellt wird um von den eigentlich verantwortlichen Problemen abzulenken. Deswegen würde ein spieleVerbot keinen Sinn ergeben, weil es nicht die Uhrsachen betrifft.

Ich hoffe ich habe hier mit diesem Artikel einigermaßen gut meine Meinung rüberbringen können und bin objektiv geblieben, was mir sichtlich schwer viel, für eine kompetente Analyse aber unerlässlich ist.

2 Comments:

Anonymous Tim said...

Schöner Bericht, leider wird er wohl nicht sehr häufig gelesen und auch die Erwachsenen die er ansprechen soll, werden ihn nicht lesen.
Zu jedem Punkt Stellung zu nehmen würde hier wohl den Rahmen sprengen, aber ich denke ich stimme dir in jedem Beispiel zu :)

6:49 nachm.

 
Blogger Fredi said...

Hehe jo, haste wohl war.
Aber wenn mer drüber nachdenkt hat man einfach mehr Ahung von der Materie und kann in einer Diskussion wesentlich stichhaltiger Argumentieren.

5:05 nachm.

 

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